30 Dezember 2014

Drogenjahr 2014

Der Jahresrückblick 2014 zu den Themen Drogen und Sucht. 

Im Januar veröffentlichten die chinesischen Behörden Details zu einer der grössten Drogenrazzien aller Zeiten. Am 29. Dezember 2013 stürmten 3000 bewaffneten Polizisten und paramilitärische Milizen das Küstendorf Boshe, in der südchinesischen Provinz Guangdong. Bei dem 12-stüdigen Einsatz bei dem es weder Tote noch verletzte gab konnte die Polizei in 77 "Drogenfabriken" insgesamt drei Tonnen Crystal Meth (Methamphetamin) und 23 Tonnen an chemischen Vorprodukten sowie Rohmaterial sicherstellen. Außerdem konnten 182 mutmaßliche Drogenhändler festgenommen und diverse Waffen beschlagnahmt werden. Jeder fünfte der 1700 Haushalte des Dorfes sei an Produktion oder Vertrieb des Crystal beteiligt gewesen. Die Drogen waren die Haupteinnahmequelle des Ortes, Grundwasser und Böden wurden von den Abwässern der Drogenherstellung hochgradig verseucht. 

Am 01. Januar 2014 begann im US-Bundesstaat Colorado eine neue drogenpolitische Zeitrechnung. Denn obwohl man Cannabis schon vorher in 19 US-Bundesstaaten auf Rezept erhalten konnte, ist Colorado der erste Staat in dem dem es frei verkäuflich ist. Für Cannabisaktivisten ist das ein Meilenstein, auch wenn es noch ein paar Regel zu befolgen gibt. Kein Verkauf an Minderjährige, kein Konsum auf offener Straße und in andere Bundesstaaten mitnehmen darf man sein Cannabis auch nicht. Die Bilanz bisher darf als “durchwachsen” bezeichnet werden. 

Ebenfalls im Januar wird Marlene Mortler (CSU) neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung und löst damit Mechthild Dyckmans (FDP) ab die das Amt seit 2009 begleitet hatte. Bisher war Frau Mortler fachlich in der Agrarpolitik zuhause und dort zuletzt Sprecherin ihrer Landegruppe. Als Drogenbeauftragte koordiniert sie jetzt die Sucht- und Drogenpolitik der Bundesregierung und vertritt diese gegenüber der Öffentlichkeit. Mit ihr fand die eher konservative Drogenpolitik auch mit der neuen schwarz-roten Bundesregierung ihre Fortsetzung. Neue Impulse konnte ich 2014 von ihr nicht wahrnehmen. 

Anfang Februar starb der US-Schauspieler Philip Seymour Hoffman an einer Mischung aus Drogen und Medikamenten. Der Oscar-Preisträger wurde in New York mit einer Spritze im Arm auf dem Boden seines Badezimmers gefunden, die Polizei entdeckte in der Wohnung Dutzende Heroin-Tütchen. In seinem Blut wurden Heroin, Kokain, Amphetamine und ein Benzodiazepin (Beruhigungsmittel) entdeckt. Zusammen verursachten sie eine hochgradige Vergiftung. Die Behörden gehen von einer versehentliche Überdosis aus. Der "Drogenunfall" löst in Deutschland eine kurze Debatte über Drogenmischkonsum aus. 

Im März startete eine neue Staffel von "Das Jenke-Experiment" mit einer Sendung über exzessiven Cannabiskonsum. Neben viel Kifferei, zeichnete die Sendung mit Auftritten vom Chef des Deutscher Hanf Verband Georg Wurth und der Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler ein durchaus ausgewogenes Bild von Cannabis. Im Schnitt verfolgten 3,78 Millionen Menschen die ab 21:15 Uhr ausgestrahlte 60 min Folge. Angesichts eines Marktanteils von 12,3 Prozent überbot man den aktuellen RTL-Schnitt von zehn Prozent deutlich. Wenig überraschend waren auch die 18,5 Prozent, die bei den besonders stark umworbenen 14 bis 49 Jährigen zustande kamen. Bei dieser konsumstarken Zielgruppe wurde eine durchschnittliche Reichweite von 2,20 Millionen ermittelt. 

Im April wird die Rauschgiftlage 2013 in der Bundespressekonferenz vorgestellt. Einzige Überraschung war der kräftige Anstieg beim Ecstasy. Hier stieg die Zahl erstauffälliger Konsumenten um fast 18 Prozent auf 1.480 an. Bei den Sicherstellungsfällen gab es einen Anstieg um etwa 25 Prozent auf 2.233 Fälle und bei den sichergestellten Mengen liegt der Anstieg sogar bei 53 Prozent gegenüber 2012. 

Im Mai kündigt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) die Vorlage eines Anti­-Doping-­Gesetz an. Laut dem Gesetzentwurf der im November vorgestellt wird, drohen den Hintermännern des Dopings bis zu zehn Jahre Gefängnis. Gedopten Sportlern könnte die Freiheit bis zu drei Jahre entzogen werden. Bisher wurden Dopingvergehen durch die Zivilgerichte mithilfe des Arzneimittelgesetzes geahndet. Nur Beschaffer und Händler leistungssteigernder Stimulanzien konnten bestraft werden. Durch die neuen Regeln werden auch die dopenden Sportler selbst in die Verantwortung genommen. 

Im Juni war in Bayern ein Autofahrer so betrunken, dass er das Alkohol-Messgerät der Polizei überforderte. Das heisst über 5 Promille Alkohol im Blut. Als der 41-Jährige sich an einer Tankstelle in Wiesentheid (Unterfranken) mit weiterem Alkohol eindecken wollte, nahm der Tankwart ihm den Zündschlüssel ab. Ein anderer Fahrer hatte bemerkt, dass der Mann deutliche Schlangenlinien fuhr und den Tankwart gewarnt. Der Fahrer kam ins Krankenhaus, seine Führerschein stellte die Polizei sicher. Bereits im April hatte die Bundespolizei Würzburg bei einem hilflosen 45- jährigen Zugpassagier das gleiche Problem. Auch hier war 5 Promille Grenze im Messbereich des Alcomaten zu niedrig. 

Im Juli stolpert der innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Michael Hartmann über eine Crystal-Affäre. Nachdem Abgeordnete aus Mainz von einem Dealer belastet wurde, musste er zugegeben, im Herbst 2013 die Droge Crystal Meth in geringer Menge gekauft und genommen zu haben. Er sei aber nicht abhängig. Seine Ämter musste er daraufhin niederlegen und die Staatsanwaltschaft erwirkte die Aufhebung der Immunität. Der richtig große Skandal wurde, im Schatten der Fußballweltmeisterschaft, aber nicht daraus. 

Im Juli entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg das der Vertrieb von “Legal Highs” nicht mit dem Arzneimittelgesetz bekämpft werden kann. Die höchsten EU-Richter argumentierten, ein Arzneimittel müsse der Gesundheit "unmittelbar oder mittelbar zuträglich" sein. Davon könne bei Kräutermischungen mit synthetischen Cannabinoiden keine Rede sein. Mit dem Urteil wurde das AMG für die Strafverfolgung von Handel mit Drogen die nicht im BtMG erfasst sind disqualifiziert. Das betrifft nicht nur “Kräutermischungen” sondern u.a. auch Substanzen die als K.o. Tropfen Verwendung finden.  

Am 11. August beging der dreifache Vater und Oscar-Preisträgers Robin Williams Selbstmord. Mit dem schnellen Erfolg als Komiker hatten für Williams Ende der 70er Jahre auch die Probleme mit Alkohol und Kokain begonnen. Nach einer Therapie war er lange abstinent und wurde 2006 rückfällig. Erst Anfang Juli hatte er sich noch einmal in eine Therapie begeben. Entgegen den ersten Spekulationen wurden bei der Autopsie aber weder Alkohol noch illegale Drogen in seinem Blut gefunden.  

Am 10.und 11. September fand in Leipzig im Rahmen der Veranstaltung "Kripo International 2014" eine Kriminalistenfachtagung des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) statt. Das Thema: "Der aussichtslose Kampf gegen Drogen - Ist Legalisierung die Antwort?". Unter den ca. 200 Fachexperten diskutierten Legalsierungsbefürworter und Gegner kontrovers ob Drogendelikte von der Polizei auch in Zukunft verfolgt werden sollten. Eine klare Antwort gab es nicht. 

Ende September haben Polizisten im Bundesstaat Guerrero im Südwesten von Mexiko Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars angegriffen und sechs Menschen getötet. Kurz darauf verschleppten die Polizisten 43 Studenten und übergaben sie Zeugenaussagen zufolge der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos”. Bandenmitglieder räumten mittlerweile ein, die jungen Leute getötet und verbrannt zu haben. Diese Verbrechen haben in Mexiko landesweite Proteste gegen die Verflechtung von Sicherheitsorganen und der organisierten Drogenkriminalität ausgelöst. Auch gegen Deutschland wurde demonstriert, weil die verwendeten Waffen von hier kamen. 

Im Oktober fordert der Zoll-Chef in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) die tschechischen Asia Märkte an der deutschen Grenze zu schließen. „Die Märkte sind ein Hort der Kriminalität. Dort werden offen Drogen gehandelt.“ prangert Frank Buckenhofer (48) an. Das Medienecho ist beträchtlich und auch wenn die Märkte nach wie vor offen sind, zumindest beim Drogenverkauf sind die Händler dort zurückhaltender geworden.

Im November zerschlug das BKA einen deutsch-tschechischen Drogenring. Ein 32-jähriger Chemie- und Pharmahändler aus Leipzig hatte sich die zur Crystal-Herstellung geeignete Chemikalie Chlorephedrin im europäischen Ausland produzieren und nach Deutschland liefern lassen. Gegenüber den Behörden täuschte der Beschuldigte die Vernichtung der Substanz vor, um sie dann illegal zur Rauschgiftproduktion weiterverkaufen zu können. Insgesamt 2,9 Tonnen Chlorephedrin konnte die Polizei sicherstellen. Diese Menge ist zur Herstellung von fast 2,3 Tonnen Crystal geeignet, was einem Straßenverkaufswert von 184 Millionen Euro entspricht. 

Im Dezember soll die Bundesregierung mal wieder Marihuana legalisieren, diesmal damit der Finanzminister keine Schulden mehr machen muss. Grünen-Politiker Dieter Janecek (38) rechnet vor: Schätzungen zufolge gäbe es in Deutschland rund 2,5 Mio. erwachsene Marihuana-Konsumenten, die durchschnittlich je 20 Gramm pro Monat kaufen würden. „Das macht etwa 600 Tonnen Cannabis-Konsum pro Jahr“, Auf jedes verkaufte Gramm soll der Staat 50 Prozent Steuern erheben. Macht bei einem Preis von 6 Euro pro Gramm (Schwarzmarktpreis) 1,8 Milliarden Euro Extra-Einnahmen. „Kiffen für die schwarze Null also“, sagt Janecek. 

Quellen: Bild.de, Spiegel Online, VIP.de, Drogenguide.de

11 Dezember 2014

Drogenfilme Thema Cannabis

Grasgeflüster (Großbritannien /2000)
Länge: 93 Minuten
Genre: Komödie / FSK 6
Inhalt: Bis zum Tod ihres Mannes lebte Grace (Brenda Blethyn) ein ruhiges, ereignisloses Leben zwischen Teepartys mit Freundinnen und eigener Orchideenzucht. Als ihr Mann überraschend stirbt, ist sie schlagartig auf sich allein gestellt. Ihr Mann hat ihr nichts außer Schulden hinterlassen und sie muss ihr Leben völlig umstellen. Auch ihr kiffender Gärtner soll den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen und entlassen werden. Doch die beiden haben eine rettende Idee: Cannabiszucht.


Paulette (Frankreich /2012)
Länge: 84 Minuten
Genre: Krimikomödie / FSK 12
Inhalt: Paulette ist eine liebenswerte, leicht knorrige, ältere Dame die in einem französischen Vorort mit einer mickrigen Rente zurecht kommen muss. Wehmütig denkt sie an die Tage zurück in denen sie mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann eine gutgehende Konditorei betrieb. Doch dann entdeckt sie den Cannabishandel für sich und schon bald sorgen ihre "Spacecakes" für jede Menge aufsehen. Herzallerliebst

Mr. Nice  (Großbritannien & Spanien /2012)
Länge: 121 Minuten
Genre: biografische Tragikomödie  / FSK 12
Inhalt: Howard Marks war der größte Drogenschmuggler in der Geschichte Großbritanniens. Unter Nutzung diverser falscher Identitäten, u.a. "Mr. Donald Nice" schmuggelt er Drogen in die ganze Welt. Nebenbei hilft er dem CIA und MI6 gegen die Mafia und IRA, was ihn vor dem Gefängnis bewahrt, so dass er sich für unantastbar hält. Irgendwann wird er dann doch für seine 25 Jahre Drogenschmuggel zur Rechenschaft gezogen. Der Film erzählt seine Geschichte durchaus amüsant, stellt ihn aber zum Ende als Opfer der bösen Drogenpolitik dar.


Lammbock  (Deutschland /2001)
Länge: 90 Minuten
Genre: Komödie  / FSK 16
Inhalt: Immer mal wieder finden sich in den Medien Berichte, das Drogendealer ihre Geschäfte als Pizzadienst getarnt hatten. Ich wette das dieser Filme bei einigen dafür Inspiration war. Die nicht sonderlich ernst gemeinte Provinzkomödie lebt von der Spielfreude der  Hauptdarsteller Lucas Gregorowicz und  Moritz Bleibtreu. Ansonsten eine Kifferstorry ohne Tiefgang, zum Thema schon Sehenswert aber nicht Kult.

The Big Lebowski  (Großbritannien & Spanien /1998)
Länge: 112 Minuten
Genre: Komödie  / FSK 12
Inhalt: Der Alt-Hippie Jeffrey Lebowski, der sich selbst nur der Dude nennt, schiebt im wahrsten Sinne des Wortes eine ruhige Kugel: Er entspannt sich zwischen den regelmäßigen Bowlingrunden mit seinen Freunden, dem Anhören von Walgesängen, dem Trinken von White Russians und dem Rauchen von Joints.


Kid Cannabis (USA /2014)
Länge: 110 Minuten
Genre: biografische Tragikomödie  / FSK keine Angabe
Inhalt: Der 18-jähriger High School-Abbrecher Nate und sein 27 Jahre alter Kumpel Topher schmuggeln Cannabis von Kanada über die Grenze in die USA. Ihrer Leben ändern sich aufgrund des neuen Einkommens grundlegend, doch bald wird das Pflaster ziemlich heiß auf dem sie sich bewegen. Der Film basiert auf dem wahren Leben des Nate Norman, der wegen Marihuana Handel im Wert von 38 Millionen Dollar (7 Tonnen) angeklagt wurde.

29 November 2014

Nadel Handschuh Hoax

Auch der angeblich mit der Droge “Scopolamin” verseuchte Damenhandschuh ist keine neuer Hoax (Internetschwindelei). Wahrscheinlich treiben die kalten Temperaturen die Lüge über den Handschuh mit den winzigen eingenähten Nadeln aktuell wieder durch die Sozialen Netzwerke. Gewarnt wird (natürlich von der Polizei) vor einer angeblichen neuen, kriminellen Masche: 

Auf Parkplätzen von Einkaufszentren und Weihnachtsmärkten verteilen sie kostenlose Damenhandschuhe angebliche Werbegeschenke für einen neuen Laden an Frauen die alleine unterwegs sind. Frauen in Begleitung von Männer bekommen nie Handschuhe geschenkt. In den Handschuhen sind winzige Nadeln eingenäht, die in die dünne Haut zwischen den Fingern stechen!!!! Weil die Nadeln so klein und dünn sind, bemerkt man den Stich nicht. Aber es ist eine Droge namens “Scopolamin” in den Nadeln!!! Diese Droge ist extrem stark und es reichen sehr geringe Mengen um einen Menschen zu betäuben. Die Kriminellen oder Komplizen verfolgen Ihre Opfer dann und warten ab bis die Droge zu wirken beginnt. Dann rauben sie ihre Opfer aus oder vergewaltigen sie, oftmals auch beides. In einigen Fällen sind sogar die Wohnung der Opfer ausgeraubt worden oder ihre Autos wurden gestohlen. 

Natürlich ist die Geschichte völliger Blödsinn. Auch wenn es das Gift "Scopolamin" gibt, ist die Nadel-Handschuh Story ein Hoax. Wahr ist aber leider das immer wieder Opfer zur Begehung von Raub oder Sexualstraftaten betäubt werden. Allerdings nicht umständlich über einen präparierten Handschuh, sondern über verschenkte oder ausgegebene Getränke. Die KO-Tropfen Attacken auf Weihnachtsmärkten oder Diskotheken waren ja in diesem Blog mehrfach Thema. Also lieber aufpassen was man trinkt als doofe Lügenmärchen verteilen.

16 November 2014

Eigenwahrnehmung unter Drogen

Das Künstler oft eine besondere Affinität zu Drogen und deren selbstschädigenden Konsum haben ist nichts Neues. Mal wird  der Kreativität auf die Sprünge geholfen, mal das rebellische Image gepflegt oder Schlicht der Stress bekämpft. Der Amerikaner Bryan Lewis Saunders bezeichnet seinen Konsum als Experiment, wobei das Ergebnis durchaus interessante Einblicke liefert.

Seit 1995 zeichnet er jeden Tag ein Selbstportrait von sich, wobei er auch eine Phase mit exzessiven Drogenkonsum dokumentiert hat. Ob Kokain, Cannabis, Pilze, Chrystal Meth oder diverse Medikamente, Bryan Lewis Saunders zog sich alles rein was es so gab. Die so entstandenen Selbstportraits stellen also die unterschiedlichen Eigenwahrnehmungen unter dem Einfluss der verschiedenen Substanzen dar.

Das Bild hier zum Eintrag zeigt übrigens den Einfluss von Psilocybin Pilzen. Die ganze Gallery mit 52 Zeichnungen gibts auf der Website des Künstlers (siehe Link am Ende des Textes) zu sehen.

Mittlerweile, so ist es auf seiner Internetseite zu lesen, konsumiert Bryan Lewis Saunders nur noch Medikamente die ihm verschrieben wurden. Er hat gemerkt dass die vielen Drogen ihm nicht besonders gut getan haben. Eine gute Entscheidung, schließlich möchte er bis zu seim Lebensende noch viele Selbstportraits zeichnen.

Quelle und Bild: http://bryanlewissaunders.org/drugs

06 November 2014

El Bufalo

Heute vor 30 Jahren am Morgen des 6. November 1984 begann einer der größten Antidrogen Einsätze der Geschichte. Die bis dahin größte Hanfplantage der Welt genannt "El Bufalo" in Mexiko wurde von 450  Soldaten gestürmt. Auf mehr als 500 Hektar wurde dort von an die zehntausend Bauern ein geschätzer Jahresertrag von 8 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Ein Ermittler mit dem Spitznamen Kiki (Foto) war verantwortlich für diesen Coup. 

Auch wenn der Rekord mittlerweile gepurzelt ist und 2011 ebenfalls in Mexiko eine weitaus größere Cannabis Plantage entdeckt wurde, "El Bufalo" war ein Meilenstein in Mexikos Drogenkrieg. Weniger wegen der Entdeckung der Plantage an sich, das Areal war vielen Polizisten durchaus bekannt. Entscheidender war der Paradigmenwechsel der mit "El  Bufalo" begann. Drogenbekämpfung war bis dahin vor allem eine Showveranstaltung für westliche Medien. Hin und wieder gab es Fotoshootings mit sichergestellten Drogen, die Polizei klopfte sich dafür heftig auf die Schultern. Die Drogenkartelle opferten ein wenig Rauschgift und halfen so mancher Karriere bei den Sicherheitsbehörden auf die Sprünge. Eine Gefälligkeit hier, ein wenig Schmiergeld da, die großen Geschäfte und führenden Köpfe der Kartelle blieben unangetastet. 

Für die Ermittlungen die zum Ende  von “El Bufalo” führten war ein amerikanischer Drug Enforcement Administration (DEA) Agent mit mexikanischen Wurzeln verantwortlich. Enrique Camarena Salazar, genannt Kiki. Er sickerte ganz tief ein in das System der Kartelle und brachte es zu Fall. Allerdings nicht an dem 6. November 1984 als “El Bufalo” gestürmt wurde. Denn Kiki wurde verraten und das Guadalajara Kartel wollte an ihm ein Exempel statuieren. 

Am 7. Februar 1985 wurde Kiki von korrupten Polizisten, die für Drogenboss Miguel Ángel Félix Gallardo genannt “El Padrino” entführt, über 30-Stunden gefoltert und dann ermordet. Sein Schädel, Kiefer, Nase, Wangenknochen und Luftröhre wurden zerkleinert, seine Rippen gebrochen, und ein Loch wurde in den Kopf mit einem Schraubendreher gebohrt. Er war mit Amphetaminen und anderen Drogen vollgepumpt, wahrscheinlich um sicherzustellen, dass er während seiner Folter bei bewusstsein blieb. Seine Leiche wurde erst nach Wochen gefunden. 

Die Folterung und Ermordung von Kiki zog die Größte jemals in einem Mordfall durchgeführte Ermittlung der DEA nach sich. Eine 25-köpfige Spezialeinheit wurde entsandt, um die Ermittlungen in Mexiko zu koordinieren. Durch deren Ermittlungen wurden einige korrupte Beamte verhaftet aber viel wichtiger, die Verflechtungen der organisierten Kriminalität bis in die höchsten politischen Kreise Mexiko`s wurden offen offensichtlich. “El Padrino” war genötigt sein Imperium aufzuteilen und als er am 8. April 1989 verhaftet wurde brachen erbitterte Machtkämpfe aus. Die amerikanische Öffentlichkeit wurde durch Kikis Tod in noch nie vorher auf die Drogenkartelle aufmerksam. Aber was ich am wichtigsten finde, die Ermittler (nicht nur der DEA) nahmen endlich die gigantischen die Geldströme und Korruption ins Visier.


Foto: United States Drug Enforcement Administration (DEA) via wikimedia

Quelle: "ZeroZeroZero" von Roberto Saviano

01 November 2014

Drogenfilme Thema Kokain

Cocaine Cowboys 1 (USA/ 2006)
Länge: 118 Minuteb
Genre: Reportage / FSK 16
Inhalt: Teil 1 ist eine rasante Reportage über Miamis Drogenmafia der 70er und 80er Jahre. Der Film ist eine Collage aus Interviews mit Kriminellen und Polizisten sowie authentischen Tatortfotos und Filmaufnahmen.




Cocaine Cowboys 2 (USA/ 2008)
Länge: 97 Minuten
Genre: Reportage / FSK 18
Inhalt: Der 2. Teil beschäftigt sich mit Grisela Blanco genannt "Schwarze Witwe". Sie war die erste milliardenschwere Drogenbaronin in der amerikanischen Geschichte.





Cocaine Cowboys 3 (USA/ 2013)
Länge: 90 Minuten
Genre: Reportage / FSK 18
Inhalt: Wie wird ein kleiner Dealer, der Drogen auf der Straße vertickt, zum Herrscher über ein Kartell? Teil 3 beginnt wie eine satirische Spielanleitung des Drogengeschäfts und mündet in eine durchaus ernsthafte Auseinandersetzung mit der amerikanischen Drogenpolitik.


Blow (USA/2001)
Länge: 124 Minuten
Genre: Filmbiografie  / FSK 12
Inhalt: Lebensgeschichte von George Jung, der in den 70er und 80er Jahren als der größte Kokaindealer der USA galt. In den Hauptrollen spielen Johnny Depp und Penélope Cruz. Der Film wurde bereits vor dem Schreiben des Drehbuchs mit Jung abgestimmt. Er wird voraussichtlich am 27. November 2014 entlassen und zu diesem Zeitpunkt 72 Jahre alt sein.


The Wolf of Wall Street (USA/2013)
Länge: 179 Minuten
Genre: Filmbiografie   / FSK 16
Inhalt: Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des Börsenmaklers Jordan Belfort. Leonardo DiCaprio malt eindrucksvoll aus wie Kokain und andere Stimulanzien das "höher, schneller, reicher" in der Finanzwelt befeuern. An und für sich kein Drogenfilm, aber einer der die Kausalität von Drogenrausch und Bankerwahnsinn zynisch auf den Punkt bringt.

Scarface (USA/1983)
Länge: 170 Minuten
Genre: Drama  / FSK 18
Inhalt: Der Film basiert auf der Geschichte von Al Capones Aufstieg zum Gangsterboss, wurde aber ins Miami der 1980er Jahre verlegt. Er zeigt den Aufstieg und Fall des kubanischen Einwanderers Tony Montana (Al Pacino) in der Welt des Kokainhandels. Regisseur Brian De Palma zeigt wie Drogen und ihre Auswirkungen das Leben eines Menschen sukzessiv untergraben und schließlich zur Katastrophe führen. 

Jenseits der weißen Linie (USA/1992)
Länge: 112 Minuten
Genre: Actionthriller  / FSK 16
Inhalt: Drogenfahnder wechselt die Fronten als er erkennt, dass einige der Handlungen der Behörden die Position eines Latino-Drogenbarons stärken, der mit einem kolumbianischen Politiker verwandt ist und für die US-amerikanische Außenpolitik nützlich sein könnte. Eine Fiktion die sehr stark die weltweite Realität erinnert.

26 Oktober 2014

Migranten Dealer im Görlitzer Park

Am Berliner Oranienplatz sind gestern am frühen Nachmittag rund 300 Demonstranten zur Gerhard-Hauptmann-Schule gezogen, um gegen die Berliner Flüchtlingspolitik zu demonstrieren. Ich habe mir das vor Ort selber angeschaut, ein Großteil der Protestierer gehörte dem links-alternativen Spektrum an. Flüchtlinge selbst hab ich nicht viele gesehen, sagen wir weit weniger als 50. Die fand ich am eigentlichen Ziel meines Ausflugs nach Berlin, im Görlitzer Park. 

Der von den Kiez-Bewohnern liebevoll “Görli” genannte 14 Hektar große Görlitzer Park im Stadtteil Kreuzberg ist schon seit längerem als Schwerpunkt der Drogenkriminalität bekannt. Was ich dort aber gesten erlebt habe, hat meine schlimmsten Erwartungen übertroffen. In dem Park halten sich zahlreiche, sagen wir weit über 100 afrikanisch stämmige Migranten auf. Sie stehen häufig in Gruppen zusammen, manche sitzen alleine auf einer Bank oder laufen umher. Läuft man an ihnen vorbei bieten sie ihre Drogen an, manche Dezent mit “He mein Freund was brauchst Du”, andre direkt in dem sie einem die Tütchen unter die Nase halten. In 10 Minuten auf 12 Angebote zu kommen ist kein Problem. Alles begleitet vom süsslichen Geruch glimender Joints. Zur Erinnerung, es war Samstag kurz nach 13 Uhr in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. 

Doch was tun? Natürlich könnte die Polizei mehrmals wöchentlich medienwirksame Razzien veranstalten. Im besten Fall wird das Problem verdrängt, im Schlimmsten eskaliert die Gewalt. Und da wäre noch die Idee der links-grünen Politik vor Ort einen Coffeeshop zum legalen Verkauf von Cannabis zu eröffnen. Um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen, das ist absoluter Schwachsinn. Der Park zieht zwar Käufer an, aber viele hab ich nicht gesehen. Die Afro-Jungs im Park verkaufen das Cannabis nicht weil es dort von Konsumenten nur so wimmelt, sondern weil sie so ein wenig Geld verdienen können. Viel kann es nicht sein, dafür ist die Konkurrenz viel zu groß. Solange die Dealer aus dem Görlitzer Park nicht in den legalen Arbeitsmarkt integriert sind, werden sie ihren Lebensunterhalt weiter mit illegalen mitteln verdienen. Was sie machen wenn ihnen niemand mehr ihr Cannabis abkauft möchte ich lieber nicht wissen. 

Der Görli braucht keinen Coffeeshop, keine multikulti Sozialromantik aber auch kein Räumpanzer der Polizei. Er bräuchte, wie ganz Deutschland, endlich eine Integrationspolitik die diesen Namen auch verdient. Bis dahin ist er eine Schande für Berlin und den Rechtsstaat.

11 Oktober 2014

neue Drogentest`s der Polizei

In dieser Woche testeten 150 Polizisten in Hamburg neue Geräte zur Erkennung von Drogenkonsum im Straßenverkehr. Dabei ist “neu” aber eher relativ zu sehen. Der in vielen Medienberichten zur der Aktion abgebildete "Pupillograph" wurde bereits bei einer Bundespressekonferenz 1995, in der es um das damals längst überfällige Fahrverbot unter Drogeneinfluss ging, vorgestellt. Beim Pupillograph handelt es sich um eine übergroße Brille, mit der berauschende Substanzen über die Pupillenreaktionen nachgewiesen werden können. Auch der Einfluß von Medikamenten und Übermüdung sollen sich über die Pupillography nachweisen lassen. Kostenpunkt ca. 12.000 Euro. 

Neuer sind dann schon die beiden anderen Geräte die getestet wurden. Zum einen der “Seeker” ein mobiles Colorimeter zur Detektion von Sprengstoffen oder Drogen. Die Substanzen werden mit einer sogenannten Wischkarte von einer Person oder einem Gegenstand (z.B. Lenkrad) aufgenommen, die danach in den Detektor gesteckt wird. Dann analysiert der “Seeker” das Farbspektrum der Probe und gleicht sie mit Daten ihm bekannter Drogen ab. Das Gerät ist also eher dafür geeignet um zu prüfen ob jemand oder etwas Kontakt zu einer Droge hatte. Einen Beeinflussung durch Drogen erkennt es nicht. Kostenpunkt ca. 8000 Euro. 

Ebenfalls ziemlich neu ist das Raman-Spektrometer „TruNarc“. Dieses sendet Licht einer einzelnen Wellenlänge und empfängt das von der Substanz zurückgestreute Licht. Anhand der Schwingungsspektren und mit Hilfe von Spektrenbibliotheken erkennt das „TruNarc“ über 200 verschiedene Drogen und Verschnittstoffe. Mit ihm kann also relativ schnell geklärt werden welche Inhaltsstoffe ein “unbekanntes Pulver” hat, das bei einer Kontrolle aufgefunden wird. Kostenpunkt ca. 18.500 Euro. 

Grundsätzlich finde ich die neuen Geräte toll und spanned, vor allem weil alle Geräte bei ihrer einmaligen Anwendung gleich mehrere unterschiedliche Rauschmittel erkennen. Der "Pupillograph" den Einfluss auf eine Person, der “Seeker” den Kontakt und das „TruNarc“ die vorliegende Substanz. Trotzdem bedarf es weniger neuer Geräte als einer besseren rechtlichen Grundlage für deren Anwendung. Denn noch immer können Tests auf Rauschmitteleinfluss an einer Person nur mit dessen Einverständnis durchgeführt werden. Wird ein Test abgelehnt, muss erst ein Verdacht auf einen Rauschmitteleinfluss begründet und dann über einen Richter eine Blutentnahme angeordnet werden. In meinen Augen ist es jedem Verkehrsteilnehmer zuzumuten sich auch einem verdachtsunabhängigen Drogenschnelltest zu stellen. 

Foto: "TruNarc" der analyticon instruments gmbh

03 Oktober 2014

Drogenfilme Thema Heroin

Drogenfilme gibt es viele, aber welche sind wirklich Sehenswert? Unter dem neuen Label "Drogenfilme" habe ich, fein säuberlich nach Substanzen sortiert, einige interessante Filme zusammengetragen. Bis zum Frühling werde ich jeden Monat einen Eintrag veröffentlichen, los geht's heute mit Filmen zum Thema "Heroin".

 Requiem for a Dream (USA/2000)
Länge: 97 Minuten
Genre: Drama / FSK 16
Inhalt: In düsteren Farben und mit teils innovativen Techniken wird in drei Kapiteln (Sommer, Herbst, Winter) der soziale Niedergang vierer Drogensüchtiger erzählt. Neben Heroin wird auch die zerstörerische Wirkung eines Appetitzügler (mit Amphetaminen) dargestellt.




 Trainspotting (UK/1996)
Länge: 94 Minuten
Genre: Drama / FSK 16
Inhalt: Der Film handelt von einer Heroin-Clique im Stadtteil Leith, der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Wie im gleichnamigen Roman von Irvine Welsh zeigt auch der Film Drogenkonsum, Sucht und die damit einhergehende Verrohung und Selbstverachtung. Ein absoluter Kultfilm der Heroin als Anti-Establishment Droge darstellt.





 Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Deutschland/1981)
Länge: 138 Minuten
Genre: Drama und Filmbiografie / FSK 16
Inhalt: Das Filmdrama erzählt aus dem Leben der drogenabhängigen Jugendlichen Christiane Felscherinow aus Berlin-Gropiusstadt. Nach LSD und Cannabis kommt das Heroin und damit der totale Absturz. Promineter Statist ist David Bowie, mit dem extra für den Film Konzertaufnahmen gemacht wurden. Guter Film der nicht nur in der Schule zum Pflichtprogram gehören sollte.




 Drugstore Cowboy (USA/1989)
Länge: 100 Minuten
Genre: Drama und Roadmovie / FSK 12
Inhalt: Vier junge Drogenabhängige ziehen in den 70er Jahren durch den Nordwesten der USA. Sie überfallen Apotheken und Krankenhäuser, um ihre Sucht zu befriedigen. Als ein Mädchen der Gruppe an einer Überdosis stirbt, beginnt der Anführer der Gruppe ein Methadonprogramm. Doch so schnell lässt ihn seine Vergangenheit nicht los. Eine Junkie Geschichte mit Galgenhumor und Absurditäten zwischen Euphorie und Depression.




Jim Carroll - In den Straßen von New York (USA/1995)
Länge: 90 Minuten
Genre: Drama und Filmbiografie / FSK 12
Inhalt: Der Film erzählt die wahre Geschichte des amerikanischen Künstlers Jim Carroll. Jim lebt in einem heruntergekommenen Viertel von New York. Als 13-Jähriger erhält er auf Grund seines Basketballtalents ein Stipendium. Doch außerhalb des Spielfeldes verfällt er, zusammen mit seinem Freund Mickey, immer mehr dem Heroin. Seinen sozialen Abstieg hält er in seinen Tagebüchern fest, die ihm später dabei helfen, sich von den Drogen zu befreien.



American Gangster (USA/2007)
Länge: 157 Minuten
Genre: Thriller und Filmbiografie / FSK 16
Inhalt: Der Film basiert auf dem Leben des während des Vietnamkrieges aktiven Drogenhändlers Frank Lucas. Bekannt wurde dieser vor allem für die sogenannte "Cadaver Connection", bei der über mehrere Jahre hinweg Heroin in Soldatensärgen aus Vietnam in die USA geschmuggelt wurde. Starker Film mit Denzel Washington und Russell Crowe der eine bemerkenswerte Milieuzeichnung von Mafia und Polizeiapparates der 1970er Jahre abliefert.


Little Fish (Australien/2005)
Länge: 109 Minuten
Genre: Drama / FSK 12
Inhalt: Cate Blanchett spielt in diesem Film die ehemalige Drogensüchtige Tracy Heart, in Sydneys Stadtteil "Little Saigon" lebt und in einem kleinen Videoladen arbeitet. Sie wurde von ihrer Mutter vor vier Jahren auf kalten Heroin-Entzug gesetzt und lebt seitdem unter ihrer Obhut. Doch Tracy wird überall immer wieder mit Drogen konfrontiert. Ein spannendes Drama.

22 September 2014

Suchtintervention bei Sat.1

"Stell Dich Deiner Sucht" ist das neue Suchtinterventions-Format von Sat.1, für welches der Privatsender derzeit Protagonisten sucht. Auch wenn ich grundsätzlich schon bedenken habe wenn das Fernsehen kranke Menschen in den TV-Zirkus führt um daraus Quote zu machen, das Sat.1 Projekt sehe ich durchaus positiv. Zum einen ist der Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen bekanntlich ein erster wichtiger Schritt eine Sucht zu bekämpfen. Zum andern erreicht die Sendung auch Familien die sich keinen ARTE-Themenabend anschauen. 

Als Coach oder besser gesagt Interventionist tritt bei "Stell Dich Deiner Sucht" Joe Bausch auf. Der 61-Jährige arbeitet seit 15 Jahren als Gefängnisarzt in der JVA Werl, über 50 Prozent seiner Patienten sind drogen-, medikamenten- oder alkoholabhängig. Den Fernsehzuschauern dürfte er als der Pathologen Dr. Joseph Roth aus dem Kölner "Tatort" bekannt sein. Ein Mann also dem man weder Medienkompetenz noch eine fachliche Qualität in der Suchtbekämpfung absprechen kann. In der Sendung unterstützt Joe Bausch Abhängige von Alkohol und illegalen Drogen beim Einstieg in den Ausstieg aus der Sucht. Er überzeugt sie, sich einer professionellen Behandlung in einer Fachklinik zu unterziehen. 

Die Idee Suchtintervention ins Fernsehen zu bringen ist allerdings nicht neu. Auf dem niederländischen Privatsender RTL 4 erreicht das Format "Verslaafd" (auf Deutsch: abhängig) einen Marktanteile von bis zu 25,5 Prozent. Mit 'Stell Dich Deiner Sucht' möchte Sat.1 nach eigenem bekunden “Familien Mut machen, sich Hilfe zu suchen und Drogenabhängigen Wege aus der Sucht aufzeigen." Bei über 3 Millionen Suchtkranken kann der Sender also auf jede Menge Emphatie und entprechende Einschaltquoten hoffen.  

Ein Ausstrahlungstermin ist derzeit noch offen. 


Foto: „Joe bausch hamm“ von Dirk Vorderstraße - Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 3.0 über Wikimedia Commons

02 September 2014

Anti K.o.-Tropfen Nagellack

Es wäre sicher ein Verkaufserfolg, ein Nagellack der sich bei Kontakt mit K.-o.-Tropfen wie Rohypnol, Ketamin oder GHB verfärbt und seine Trägerin vor diesen Vergewaltigungsdrogen auf Englisch "Date Rape Drugs" warnt. Doch soweit scheint "Undercover Colors" dem ein Facebook Hype schon über 100.000 „Gefällt mir“-Angaben beschert hat noch lange nicht zu sein. Auch wenn Undercover-Colors-Gründer Stephen Gray, die Doktoranden Ankesh Madan und Tasso Von Windheim von der Duke University in Durham (US-Bundesstaat North Carolina) sowie der Ingenieur Tyler Confrey-Maloney, Zuversicht verbreiten, wer sich ein wenig mit Drogenschnelltests beschäftigt weiß das die Detektion von Drogen keine leichte Sache ist.

Zum einen weil die Drogen nur selten in ihrer reinen Form vorliegen, gerade wenn sie in Getränke gemischt werden dürfte sich der Test nicht von Alkohol, Fruchtsäften oder den Inhalten von Energydrinks täuschen lassen. Zum anderen gibt es ja nicht DIE K.o - Tropfen auch Atropin, Barbiturate oder Zolpidem kommen als Wirkstoff in betracht. Dass ein Nagellack auf all diese Substanzen gleich und zuverlässig reagiert wäre zwar wünschenswert, ist aber vollkommen ausgeschlossen. Und selbst wenn die "Undercover Color" Jungs ein Wunder vollbringen und die aktuell als Vergewaltigungsdrogen genutzten Stoffe erkennbar machen könnten, die Entwicklung bei den "Legal Highs" zeigt wie schnell neue Substanzen mit gleicher Wirkung auf den Markt geworfen werden können.

Fakt ist, eine Wunderwaffe gegen K.o.-Tropfen wie ein Nagellack bleibt auf absehbare Zeit eine Utopie. Man brauch es aber trotzdem auch nicht dem Zufall überlassen ob man Opfer von Vergewaltigungsdrogen wird. Wer beim Feiern die Tipps der Polizei beachtet braucht sich keine Sorgen machen:

  • sich für seine Freunde verantwortlich fühlen, aufeinander achten, auch auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen,
  • den Freundeskreis informieren, wo man sich aufhält,
  • Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen lassen, z.B. beim Tanzen eine Getränkeaufsicht organisieren,
  • auf das Umfeld achten, insbesondere auf merkwürdige Kontaktversuche/Kontaktaufnahmen,
  • vorsichtig bei angebotenen („ausgegebenen“) Getränken sein, besonders von unbekannt Spendern,
  • bei Getränken auf die geringsten Geschmacksveränderungen achten, nie auf „Ex“ trinken, auch dann nicht, wenn der Anbieter das vorschlägt oder verlangt,


Wenn man den verdacht hat Opfer von K.o. Tropfen geworden zu sein:


  • keine Beweismittel vernichten, also. Bekleidung, Wäsche, Bettlaken oder andere Gegenstände mit denen der Täter in Berührung gekommen ist oder Ihrer Meinung nach gekommen sein könnte der Polizei übergeben,
  • erst Waschen wenn Sie ärztlich untersucht worden sind,
  • möglichst schnell zur ärztlichen Untersuchung gehen,
  • Reinigen Sie nicht Ihre Kleidung, die Sie zur Tatzeit getragen haben und werfen Sie auch zerrissene Kleidungsstücke und Unterwäsche nicht weg, da diese wichtige Spurenträger sein können,
  • Verändern Sie den Tatort nicht,
  • Versuchen Sie, den Tathergang in Form eines Gedächtnisprotokolls schriftlich festzuhalten,
Zum Schluss noch ein abschließender Rat vom Drogenguide. Über die ganze Diskussion über K.o.-Tropfen sollte man nicht vergessen das Alkohol die Hauptursache ist im Nightlife in Straftaten verwickelt zu werden. Wer sich ins Koma säuft braucht sich über K.o.-Tropfen  nicht beschweren.

Quellen: Spiegel online, LKA Sachsen

Foto: https://www.facebook.com/undercovercolors

14 August 2014

Crystal und die NPD

In Sachsen ist Landtagswahlkampf und die grenzüberschreitende Kriminalität insbesondere die Crystal schwemme aus Tschechien ist hier ein großes Thema. Keine Partei die dazu keine Aussage in ihrem Wahlprogramm hat, selbst auf Wahlplakaten findet man einschlägige Kampfansagen gegen Dealer und Crystal. Besonders beeindruckend finde ich die “Weg mit dem Crystal-Dreck” Plakate der NPD. Die immerhin im sächsischen Landtag mit einer Fraktion vertretenen Partei, am rechten politischen Rand, stellt sich als Crystal-Gegner Nummer eins dar. Eine Position die in ihrer Anhängerschaft seit Jahren nur mangelhaft reflektiert wird. Ich behaupte sogar, nirgends hat die Droge Crystal mehr Anhänger als im rechten Spektrum. 

Im Mai 2011 wird im mittelsächsischen Oschatz der Obdachlose André K. (50) von einer als rechts geltenden Gruppe so brutal zusammengeschlagen das er stirbt. Im Prozess macht ein mutmaßlicher Täter, mildernde Umstände geltend: Er habe während des Vorfalls unter Crystal-Einfluss gestanden. Im November 2012 wird in Hoyerswerda Ralf A. der Frontsänger der Band Bollwerk, die vom sächsischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird wegen Crystalhandel im großen Stil festgenommen. Im März 2013, endet in Leipzig der Prozess gegen eine Gruppe von Drogenhändlern aus dem nordsächsischen Delitzsch. Bei den drei Verdächtigen wurde Crystal im Wert von 40.000 Euro sichergestellt. Die Behörden zählen die Angeklagten zur gewaltbereiten rechten Szene, einer der Männer war sogar Stadtratskandidat für die NPD. 

Es sind aber nicht diese Schlagzeilen der vergangenen Jahre die mich glauben lassen das sich hier der Bock als Gärtner verkleidet. Vielmehr sind es meine zahlreichen Begegnungen mit Crystal-Usern die sich selber als “rechts” dargestellt bzw. bezeichnet haben. Doch eine Überraschung ist das freilich nicht. Es waren die Nationalsozialisten die damals für die erste große Verbreitung von Methamphetaminen in Deutschland sorgten. Damals noch unter Pervitin bekannt, sollte diese Droge im 2. Weltkrieg zum großen Sieg führen. (siehe Nazidroge Pervitin). Heute soll der vorgetäuschte Kampf gegen Crystal den rechten zum Sieg bei der sächsischen Landtagswahl 2014 verhelfen. Darauf reinfallen werden nur die dummen Wähler. 

Etwas positives hat die NPD Kampagne trotzdem. Ein frisch aus einer Entzugsklinink entlassener NPD Anhänger erklärte mir vor kurzem, das er nun kein Crystal mehr konsumieren möchte, weil die NPD das auch so auf ihren Wahlplakaten fordert. Na immerhin. 

Quellen: Zeit.de, SZ-online 

Foto: NPD Plakat in Dresden, fotografiet am 14.08.2014

05 August 2014

Justiz macht Drogenpolitik

Im vergangenen Monat stellte die Justiz wieder einmal maßgeblich die Weichen in der Drogenpolitik. In zwei Entscheidungen, die so auch zu erwarten waren, zeigen erneut Gerichte die Versäumnisse der Politik auf. In beiden Fällen wäre in meinen Augen genug Zeit gewesen klare Rechtsgrundlagen zu schaffen, zumal zu beiden Themen bereits seit längeren diskutiert wurde. Doch so gaben Bundesregierung und deren Drogenbeauftragte das Heft des Handels mal wieder an die Justiz ab.




Fall 1- Legal Highs:

Es war ohnehin nur eine Krücke mit der die Strafverfolgungsbehörden den Herstellern und Vertreibern von Legal Highs hinterhergehumpelt sind. Aber auch diese ist jetzt zerbrochen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat zu einem vor dem Bundesgerichtshof (BGH) anhängigen Verfahren Stellung genommen: Er entschied, gemäß der EU-Arzneimittelrichtlinie seien Legal Highs keine Arzneien, und somit nicht als Verkauf bedenklicher Arzneien strafbar. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass "der Vertrieb der fraglichen Stoffe jeder Strafverfolgung entzogen" sein könnte. Denn der Handel mit Legal Highs die keine Substanzen enthielten die bereits dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, wurde bisher mit hilfe des Arzneimittelgesetz (AMG) bekämpft. (siehe Blogeintrag Betäubungsmittelrecht). 


Die höchsten EU-Richter argumentierten, ein Arzneimittel müsse der Gesundheit "unmittelbar oder mittelbar zuträglich" sein. Davon könne bei Kräutermischungen mit synthetischen Cannabinoiden keine Rede sein. Die Tatsache, dass ein Stoff die Funktion des Körpers beeinflusse, reiche nach dem auch in Deutschland geltenden EU-Recht nicht aus, um als Arzneimittel eingestuft zu werden. Die Legal Highs würden "nicht zu therapeutischen, sondern ausschließlich zu Entspannungszwecken" konsumiert. Sie seien als gesundheitsschädlich anzusehen und somit keine Arzneimittel. Mit dem Urteil wurde das AMG für die Strafverfolgung von Handel mit Drogen die nicht im BtMG erfasst sind disqualifiziert. Das betrifft nicht nur “Kräutermischungen” sondern u.a. auch Substanzen die als K.o. Tropfen Verwendung finden. 

Fall 2 - Cannabis als Medizin

Das Verwaltungsgericht Köln hat in drei von fünf Verfahren den Klägern Recht gegeben, die gegenüber dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Genehmigung erstreiten wollten, Cannabis für den Eigenkonsum zu therapeutischen Zwecken selbst anzubauen. Alle Kläger leiden unter chronischen Schmerzen und besitzen eine Erlaubnis zum Erwerb und therapeutischen Konsum von Cannabisblüten. Sie möchten die zu therapeutischen Zwecken notwendige Menge an Cannabis selbst anbauen und verarbeiten, da sie die Kosten für den Erwerb des Cannabis nicht aufbringen können und die Kosten in ihren Fällen auch nicht von den Krankenversicherungen übernommen werden. Ihre Anträge auf Zulassung des eigenen Anbau von Cannabis hatte das BfArM jedoch abgelehnt. Die gegen die Ablehnung gerichteten Klagen hatten in drei Fällen überwiegend Erfolg. 

Zur Begründung wies das Gericht nochmals darauf hin, dass die Voraussetzungen für die Zulassung des Eigenanbaus in jedem Fall eingehend und individuell zu prüfen seien. In drei Verfahren seien diese Voraussetzungen gegeben, insbesondere könne beim Anbau in den Wohnungen ein Zugriff Dritter auf die Pflanzen und Produkte hinreichend sicher ausgeschlossen werden. In den beiden abgelehnten Fällen war einmal die Wohnsituation des Klägers nicht ausreichend um das Cannabis vor Unbefugten sicher anzubauen, im anderen Fall wurden noch nicht alle zumutbaren Behandlungsalternativen ausgeschöpft.

Während letzter Fall einfach nur peinlich für die Politik ist weil erst Gerichte schwer kranken Menschen einen bezahlbaren Zugang zu einer ihr helfenden Substanz ebnen müssen, könnte aus dem Urteil des EuGH noch ein richtiges Problem werden. Legal Highs und K.o.-Tropfen waren ohnehin auf dem Vormarsch aber bisher konnte man wenigstens den Händlern auf die Finger klopfen. Das hat sich aber erstmal erledigt. Bis das BtMG erweitert oder eine ganz neue Rechtsgrundlage geschaffen wird kann es dauern. Bis dahin können windige Geschäftemacher jede Menge Geld damit verdienen, völlig unberechenbare psychoaktive Gifte zu verscherbeln.

Foto: © davis - Fotolia.com
Quellen: Zeit.de und Pressemitteilungen des Verwaltungsgerichts Köln


04 Juli 2014

Dänemark knallhart

Seit dem 01. Juli macht Dänemark ernst im Kampf gegen Alkohol und Drogen am Steuer. Seit Dienstag gelten bei unseren Nachbarn im Norden restriktive Regeln beim Fahren unter Rauschmitteleinfluss. So wird zusätzlich zum Führerscheinentzug für drei Jahre das Auto ab 2,0 Promille Alkoholkonzentration im Blut entschädigungslos und unwiderruflich konfisziert. Eine Verwarnung ist nicht vorgesehen und das Gesetzt gilt auch für Ausländer. Das ist ein knallharter Weg den die Dänen hier vor den Sommerferien, in denen tausende Touristen per Pkw ins Land strömen, eingeschlagen haben. Denn der könnte ganz schnell weg sein sollte man sich (zum Beispiel im WM Fußballfieber) berauscht von der dänischen Polizei erwischen lassen. Auch Autofahrer, die mit mehr als 1,2 Promille unterwegs sind, verlieren ihr Fahrzeug, wenn sie in den letzten drei Jahre schon einmal mit mehr als den erlaubten 0,5 Promille am Steuer aufgefallen sind. Wie schon erwähnt kann nicht nur Alkoholkonsum dem eigenen Auto gefährlich werden, sondern auch der Konsum von illegalen Drogen. Der Staat versteigert die Autos dann später und die Einnahmen wandern ins Staatssäckel. 

Natürlich finden sich bei dieser Maßnahme auch Kritikpunkte und Schwachstellen. Ist der Pkw nur geleast oder gemietet, kann die Polizei zwar die Autoschlüssel einkassieren, den Wagen aber nicht konfiszieren. Ist das Auto aber von einem Freund oder Verwandten geborgt könnte es trotzdem eingezogen werden. Und natürlich kann man es ungerecht finden nur deshalb mehr einzubüßen weil man gerade ein neues Auto hat,während der Trinker mit der "alten Karre" vergleichsweise günstig weg kommt. 

Doch unabhängig davon finde ich es Klasse das hier ein eindeutiges Statement hinter dem Gesetz steht. Staat und Gesellschaft lehnen Alkohol und Drogen am Steuer kompromisslos ab. So ist die Reglung kaum umstritten, diskutiert wird eher ob die 2 Promille Grenze nicht zu hoch ist. In Italien wird bereits ab 1,5 Promille das Auto eingezogen und entschädigungslos versteigert wenn der Fahrer auch der Halter des Fahrzeugs ist. Verweigert ein Fahrer dort den Alkoholtest, wird von der Polizei automatisch ein Wert von 1,5 Promille vermutet und das Auto konfisziert. Dazu kommt noch eine Geldstrafe von 6000 Euro. 

Das ist eine Konsequenz von der wir in Deutschland noch meilenweit entfernt sind. Dem Deutschen sein liebstes Kind, sein Auto, wegnehmen? Das klingt undenkbar, würde aber auch auf meiner Wunschliste nicht ganz oben stehen. Nötig wäre in Deutschland vielmehr Rechtsgrundlage für verdachtsunabhänige Alkohol und Drogentests. Bisher muss hier immer erst ein Anfangsverdacht an den Haaren herbei gezogen werden. 

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26 Juni 2014

Weltdrogentag

Heute ist "International Day against Drug Abuse and Illicit Trafficking" oder auf deutsch "Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr". Umgangssprachlich wird dieser jährlich am 26. Juni wiederkehrende Termin auch als "Weltdrogentag" bezeichnet. An diesem von der UNO im Dezember 1987 eingerichteten Aktionstag wird zumeist mit Presseveröffentlichungen auf die Probleme des Drogenmissbrauchs aufmerksam gemacht. Es werden Projekte und Statistiken vorgestellt, die einen werden Mahnen das der Kampf gegen Drogen intensiviert werden muss, die anderen ihn als verloren erklären. Recht haben sie alle, ein bisschen. 

Tatsächlich ist der Kampf gegen Drogen in den letzten Jahren kaum vorran gekommen. Im Gegenteil, die instabile Lage in vielen Teilen der Welt begünstigt Kriminalität und Drogenhandel. Bewaffnet Gruppen aller Art finanzieren den Kampf für ihre Weltanschauung mit Drogengeschäften. Wenn selbst Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben und Korruption bis in die höchsten Regierungkreise reicht, kann es keine erfolgreiche Drogenbekämpfung geben. Höchstens ein bisschen Show für die westliche Presse. 

Trotzdem darf der Kampf nicht aufgeben werden. Allerdings reicht es nicht Drogenfelder nieder zu brennen. Es bedarf tragfähiger Alternativen für die Menschen die nicht aus krimineller Energie, sondern um zu überleben ihren Lebensunterhalt mit Drogen verdienen. Was für alternativen hatte ein Los Zeta in Mexiko oder ein Mohnbauer in Afghanistan? Auf der anderen Seite stehen die Konsumenten, die weder alle Opfer sind und Hilfe brauchen, noch alle Straftäter die in den Knast gehören. Hier ist das Spektrum so vielfältig das auch die Drogenbekämpfung einfallsreicher werden muss. Auch weil sowohl die konsumierten Substanzen als auch die Konsumformen immer facettenreicher werden. Eine erfolgreiche Drogenpolitik kann weder nur aus "drauf hauen und wegsperren", noch nur aus "akzeptieren und helfen" bestehen. 

Man kann den Kampf gegen die Drogen vielleicht nicht gewinnen, aber man verliert ihn definitiv wenn man aufgibt.

Foto: © Monkey Business - Fotolia.com

20 Juni 2014

Sonnensucht

Drogen machen uns vor das sie uns gut tun, sie stören unseren Innern Kompass der uns über die Glücksgefühle positive Dinge anstreben lässt. Dinge wie gutes Essen wegen der Nährstoffe oder Freunde zu haben die uns in schwierigen Situationen unterstützen. Die Drogen ziehen die Kompassnadel auf sich und die Sucht nach dem Stoff macht andere Dinge zur Nebensache. Bei Verhaltenssucht ist es kein Stoff sondern eine spezielle Handlung die alleiniges Glück verspricht. Spielsucht und Sexsucht sind hier sind geläufige Vertreter. Eine US-Studie brachte diese Woche eine Verhaltenssucht auf den “Markt” von der ich bisher noch nicht gehört hatte, die Sonnensucht. 

Sonne ist leben. Auch auf den menschlichen Organismus hat die UV-Strahlung positive Effekte. Trifft Sonne auf die Haut, werden verschiedene Mechanismen in Gang gesetzt. Am bekanntesten ist hier sicher die Bildung von Vitamin D welches ganz entscheidend beim Knochenaufbau ist. Auch das Protein “Proopiomelanocortin” (POMC) wird gebildet, welches eine Vorstufe für verschiedene aktive Botenstoffe ist. Dazu zählt ein Hormon, das bewirkt, dass das Hautpigment Melanin und auch der körpereigene Schmerzkiller beta-Endorphin wird aus POMC produziert wird. Ähnlich wie bei Heroin bindet auch beta-Endorphin an Opioid-Rezeptoren und entfaltet darüber seine schmerzlindernde Wirkung. In der US-Studie setzten die Forscher Mäuse mehrere Wochen lang regelmäßig UV-Strahlung aus. Die so behandelten Nager schütteten mehr Endorphine aus, also körpereigene schmerzstillende Stoffe. Wurde die Wirkung der Endorphine durch ein Medikament geblockt, zeigten die Versuchsmäuse Entzugserscheinungen wie Zittern und Zähneklappern.

Die Sonnensucht wäre sicher keine große Sache, hätte die UV-Strahlung nicht auch eine ziemlich verheerende Nebenwirkung. Sie ist die Hauptursache für die Entstehung von Hautkrebs. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken jährlich bundesweit bei etwa 20.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs, einem besonders bösartigem Tumor. Hinzu kommen tausende Fälle von Krebsvorstufen.Trotzdem haben Menschen ein scheinbar instinktives Verlangen nach Sonnenbädern. Auch wenn sicher nur in den wenigsten Fällen eine echte Sonnensucht vorliegt, die Mittagssonne sollte man immer meiden und auf Sonnenschutz auch nicht verzichten.

Quelle: n-tv Wissen