01 Februar 2012

Hirndoping mit Neuro-Enhancern

Unter Hirndoping (pharmakologisch Neuro-Enhancement) versteht man die Einnahme von psychoaktiven Substanzen aller Art mit dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung. Eine Umfrage des Wissenschaftsmagazin „Nature“ im April 2008 ergab, über 20 % der Leser hatten bereits Drogen zur Steigerung ihrer Konzentration und Erinnerungsfähigkeit genutzt. Die Umsätze der Pharmaindustrie in diesem Bereich steigen seit Jahren. Modafinil oder Ritalin steigern die Durchhaltefähigkeit bei langwierigen Tätigkeiten und vertreiben die Müdigkeit. Später wird das Hirn dann mit Cannabis oder Beruhigungsmedikamenten wieder heruntergefahren.

Eine Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministerium hat versucht die Frage des „Hirndoping“ bei Studierenden repräsentativ zu beleuchten. Hier einige interessante Fakten aus der Studie:
  • 17 % könnten sich vorstellen „Hirndoping“ zu betreiben
  • 12 % haben schon leistungsfördernde Substanzen eingenommen
  • 5 % nutzen dazu verschreibungspflichtige Medikamente
  • weitere 5 % versuchen ihre Leistungen durch Vitaminpräparate, homöopathische und pflanzliche Substanzen zu optimieren
  • mit steigender Studiendauer steigt auch der Prozentsatz der „Hirndoper“
  • die meisten „Hirndoper“ gibt es in der Fachrichtung Medizin/ Gesundheitswissenschaften

Ganz besonders interessant finde ich folgendes Ergebnis:

Zwischen den Hirndopenden und den übrigen Studierenden bestehen deutliche Unterschiede in Bezug auf die Zuversicht für verschiedene Aspekte: Der Anteil der (sehr) zuversichtlichen Studierenden in Bezug auf den Studienerfolg, die berufliche Zukunft, das persönliche Wohlergehen und das materielle Auskommen ist unter den Hirndopenden durchgängig deutlich geringer als unter den Studierenden, die keine leistungsbeeinflussenden Substanzen nehmen bzw. solchen, die „weiche“ Mittel anwenden.

Mit Hirndoping lässt sich eine Aufgabe vielleicht besser „durchziehen“ es macht aber weder schlauer noch kreativer. So genante Smart- oder Go-Pills steigern eher die Quantität als die Qualität der Hirnleistung. Das mag dem Einzelnen hin und wieder ausreichen, auch mancher Arbeitgeber freut sich sicher über solche Mitarbeiter. Wirklich vorwärts bringen Neuro-Enhancer aber werde den User noch die Gesellschaft. Neben den gesundheitlichen Risiken besteht die Gefahr eines neurochemischen Rüstungswettlauf. Wenn nämlich der Griff zur Pille notwendig wird um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.

Quellen: Fluter Nr.37 (Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung) und
HISBUS-Befragung (
http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-201201.pdf)

Foto: © julien tromeur – Fotolia.com

17 Januar 2012

Operation Speedway


Vergangene Woche stellte Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen die Ergebnisse der "Operation Speedway" vor. Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2011 rückten Zoll, Bundespolizei sowie die Landespolizeien in Sachsen und in Bayern in der deutsch-tschechischen Grenzregion Dealern und Schmugglern auf die Pelle. Auch tschechische Beamte waren an dem Einsatz beteiligt. Hauptaugenmerk wurde dabei auf die synthetischen Modedroge Crystal (Methamphetamin) gelegt. Im Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht war zu lesen das die Tschechische Republik führend ist in der Methamphetamin Herstellung. 2009 wurden hier 342 Herstellungsstätten, hauptsächlich kleine Küchenlabors aufgedeckt. Ich habe hier im Drogenguide schon im Februar 2010 über das deutsch-tschechische Crystalproblem berichtet.

Auch der deutsche Zoll stellt eine kontinuierliche Steigerung des Crystal-Schmuggels fest. Die beschlagnahmten Mengen stiegen von weniger als einem Kilogramm im Jahr 2009, auf 15 Kilogramm im Jahr 2010 und 17 Kilogramm im vergangenen Jahr. Zudem gelang es dem Zoll, im Jahr 2011 den Einfuhrschmuggel von weiteren elf Kilogramm strafrechtlich nachzuweisen. Letzteres wird wohl bedeuten das die Überwachung von Telekommunikation den Crystaleinfuhr belegt, der Stoff selber aber in Umlauf gelangt ist.

Zur Operation Speedway wurden an insgesamt 31 Tagen 3.300 Personen kontrolliert und dabei 1,6 kg Crystal sichergestellt. Das entspicht etwa 64.000 Konsumeinheiten und einem Straßenverkaufswert von bis zu 225.000 Euro. Neben Crystal entdeckten die Fahnder vier Kilogramm Marihuana, 6.000 illegale Feuerwerkskörper sowie mehrere Kleinwaffen. Was in etwa auch dem Warenangebot der Vietnamesenmärkte kurz hinter der deutschen Grenze auf tschechischer Seite entspricht.

Die Operation führte zu 21 vorläufigen Festnahmen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Von den zuständigen Staatsanwaltschaften wurden 16 Haftbefehle erwirkt. Man hat also mal ordentlich auf den Busch geklopft und abgefischt was raus gekommen ist. Der Äusserung des Herrn Staatssekretär das es damit gelungen sei dem Schmuggel von Crystal einzudämmen wage ich zu bezweifeln. Dazu müsste man an die Wurzel des übels ran, die rechtsfreien Räume der grenznahen Vietnamesenmärkte. Wobei ich denke das Herr Koschyk das meint, sich nur diplomatischer ausdrückt wenn er sagt: "Neben einem intensiven Informationsaustausch und gemeinsamen Kontrollen gilt es, das Problem an der Wurzel zu packen und die illegalen Produktionsstätten auszuheben. Diesen Weg werden wir weiter gehen und gemeinsam mit unseren tschechischen Nachbarn ausbauen.”

Foto: Zoll

15 Januar 2012

Zahlen, Fakten und Rekorde

Für meinen 100. Blogeintrag habe ich ein paar interessante Zahlen, Fakten und Rekorde aus der Welt der Drogen zusammengetragen:
  • Die organisierte Kriminalität verdient pro Jahr 38 Milliarden Dollar am Kokainexport nach Nordamerika, 34 Milliarden bringt der Kokaintransfer nach Europa.
  • Am Heroinexport nach Europa lassen sich 20 Milliarden Dollar verdienen und nach Russland bringt Heroinhandel 13 Milliarden Dollar pro Jahr.
  • Beschlagnahmt wurden im Jahr 2009 weltweit: 6022 Tonnen Marihuana, 1261 Tonnen Haschich, 732 Tonnen Kokain, 76 Tonnen Heroin, 33 Tonnen Amphetamin, 31 Tonnen Methamphetamin, 5,4 Tonnen Ecstasy, 0,1 Tonnen LSD
  • In Europa (EU +Norwegen, Kroatien und Türkei) wurden im Jahr 2009 beschlagnahmt: 99 Tonnen Marihuana, 594 Tonnen Haschich, 49 Tonnen Kokain, 24 Tonnen Heroin, 6,5 Tonnen Amphetamin, 0,6 Tonnen Methamphetamin, 2,4 Millionen Tabletten Ecstasy, 59700 Konsumeinheiten LSD  
  • Am 9. Juni 2008 wurde in Afghanistan 237 Tonnen Cannabis und damit die grösste Drogenmenge aller Zeiten beschlagnahmt. In Gräben mit der größe von zwei Fußballfeldern wurde die Plantage im Wert von über 312 Millionen Euro gefunden und vernichtet. Das Land produziert jedes Jahr bis zu 3.500 Tonnen Cannabis.
  • Auch die grösste jemals beschlagnahmte Menge Heroin stammt aus Afghanistan. Im Jahr 2010 wurden hier 5,7 Tonnen des Opiat sichergestellt. Das Land gilt als Hauptanbaugebiet für Schlafmohn, dem Grundstoff von Heroin.
  • Kolumbien produziert ca. 70% des weltweiten Kokain bedarf. 2007 betrug die Anbaufläche 167.000 Hektar, mit einem potenziellen Ertrag von 535 Tonnen reinem Kokain.
  • Am 2. Juli 2010 beschlagnahmte die Polizei von Ecuador ein 31 Meter langes voll tauchfähiges U-Boot. Zwar werden schon seit 17 Jahren Halbtauchboote eingesetzt, das in den Mangrovensümpfen gefundene diesel-elektrische Unterseeboot hatte aber eine neue Qualität. 10 Tonnen Kokain im Wert von 70 Millionen Euro konnte es transportieren, mit einer Fahrt.
  • Deutschlands bisher größter Drogenfund wurde im April 2010 im Hamburger Hafen gemacht. 1,3 Tonnen Kokain waren in einer Ladung Holzbriketts aus Paraguay versteckt. Der Stoff hatte einen Verkaufswert ca. 40 Millionen Euro. Sieben mutmaßliche Mitglieder eines Rauschgifthändlerrings wurden festgenommen.

Quellen: Guinness World Records 2012, Wired deutsche Erstausgabe, EBDD Bericht 2011