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02 November 2017

Drogenepidemie USA

Donald Trump hat vergangene Woche den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Grund ist der gravierende Anstieg des Drogenkonsums in den USA. Im Jahr 2016 starben ca. 64’000 Amerikaner an ihrem Drogenkonsum. Es ist die stärkste jährliche Zunahme, die je gezählt wurde. Jeden Tag sterben 170 Amerikaner an Rauschgift. Zwei drittel wegen Opioiden, also Drogen die wie Heroin vom Opium abstammen oder (wie z.B. Fentanyl) diesem künstliche nachgebildet sind.

Die USA sind schon immer ein gigantischer Drogenmarkt. Ausgelöst hat die aktuelle Drogenepidemie aber weder die Mafia noch die mexikanischen Kartelle. Verantwortlich sind Amerikas Ärzte, weil diese die Menschen jahrzehntelang willkürlich mit Pillen gefüttert und so ein Heer an Abhängigen geschaffen hat. Etwa eine Million US-Amerikaner konsumieren heute Heroin. Bei 80 Prozent von ihnen begann die Sucht mit legal oder illegal erworbenen Schmerzmitteln.

In den USA trifft eine kaum regulierte Pharmabranche, die in erster Linie auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, auf eine Kultur der Ärzte unrealistische Erwartungen einfach erfüllen zu wollen. Völlige Schmerzfreiheit und damit ein zufriedener Patient, ist nur eine Tablette entfernt. Dazu ein Gesundheitssystem was Medikamentenverordnungen gegenüber anderen Therapien bevorzugt.

So gelang es der New Yorker Firma Purdue Pharma ihr Schmerzmitteln „Oxycontin“ mit viel Marketing und zweifelhaften Studien in den Markt zu pressen. Denn obwohl es als Droge der Klasse II eingestuft und ihr damit ein hohes Potenzial für Missbrauch und Abhängigkeit bescheinigt wurde, positionierte Purdue es als Mittel auch für moderate Beschwerden. In der Pressemitteilung zur Markteinführung von „Oxycontin“ hieß es: „Die Angst vor Abhängigkeit ist übertrieben“. Schmerzmediziner sprachen schon vom endlich korrigierten Irrtum aus der Prohibitions-Ära. Gesunde Skepsis wurde jetzt als «Opiophobie» belächelt und als mangelnde Empathie mit den unnötig leidenden Patienten gedeutet.

Purdue Pharma musste später, mit mehr als 600 Millionen Dollar, eine der höchsten Strafen zahlen, die in der Branche je verhängt wurden. Und auch den Ärzten sitzt der Rezeptblock nicht mehr so locker. Doch die Patienten kamen von den Medikamenten nicht mehr los. Konnten sie sich die Arztbesuche nicht mehr leisten oder zögerten die Mediziner irgendwann doch mit weiteren Verordnungen, besorgten sich viele Patienten die Pillen illegal oder wechselten gleich zu Heroin.

In einem sozial so zerrissenen Land wie den USA, das spürt aber nicht war haben will das seine besten Zeiten vorbei sind ist, fällt diese Sucht natürlich auch auf nahrhaften Boden. Ausschlaggebend sind in meinen Augen zwei Dinge gewesen: Verharmlosung und Geschäftsinteresse. Wenn ich auf die aktuellen Koalitionsverhandlungen in Deutschland schaue, finde ich diese beiden Dinge in der Drogenpolitik wieder. Die Grünen verharmlosen und die Liberalen wollen ein Geschäft daraus machen. 

29 Juni 2016

Hemp Business

Der Milliarden-Dollar-Zug mit dem Namen Cannabis-Legalisierung rollt durch die USA und alle wollen aufspringen. Während die Feigenblätter, wie “nur für den medizinischen Gebrauch”, immer kleiner werden, schaut jeder wie er am Geschäft mit der immer legaler werdenden Sucht verdienen kann. Neben den wie Pilze aus dem Boden schießenden Verkaufsstellen (mal heißen sie“Club”, mal “Apotheke”), gibt es aber auch kreativere Ansetzte um an die *Hemp-Milliarden zu kommen.  

„Power Plan Fitness“ soll ein Sportstudio heißen das ein Amerikaner in San Francisco eröffnen will. Weil er selbst früher beim Gewichte stemmen gekifft hat, findet er das auch für andere eine tolle Idee. Mit dem Slogan „Zuerst Fitness, dann Cannabis“ („fitness first, cannabis second“) soll eine neue Fitness-Bewegung ins Leben gerufen werden. Ein ausgeglichenes Training, dass Körper und Geist regeneriert soll das werden. Mein Slogan wäre ja “nach dem Training ein Joint und der Muskelkater ist dein Freund. Diesen November soll Eröffnung sein. 

Auch große Namen schielen auf die Wachstumsbranche “Hemp-Business”. Der Softwaregigant Microsoft steigt beim kalifornische Unternehmen "Kind Financial" ein Kind verkauft eine Tracking Software für Cannabis an amerikanische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. So können beispielsweise Krankenhäuser den gesamten Weg von der Saat bis zum Verkauf nachverfolgen. Immerhin soll so eine Abgrenzung zum illegalen Markt sichergestellt werden. 

Aktuell soll es in den USA acht Millionen Konsumenten geben, im Jahr 2015 wurden hier 4,4 Milliarden US-Dollar Umsatz mit legalem Cannabis gemacht. Vergangenes Jahr wurden von Investoren 215,2 Millionen US-Dollar in nicht börsennotierte Cannabis-Unternehmen gepumpt. Es lockt der große Reibach. Die Strategieberatung LSP Digital rechnet bis 2029 mit einem Marktvolumen von 100 Milliarden US-Dollar. Davon sollen die Hälfte auf Cannabis-basierte Medikamente, die andere Hälfte auf Marihuana oder Konzentrate wie Haschisch oder Öl entfallen.

*("Hemp" ist das amerikanische Wort für Hanf)

Foto: One dollar banknote and hemp seeds © agephotography

Quellen: Strategieberatung LSP Digital und Bild.de

04 April 2015

Badesalzdroge Flakka

Die Bild titelte diese Woche “Neue Horror-Droge „Flakka“ überschwemmt die USA” und wusste zu berichten “Flakka ist so schlimm wie Crystal Meth”. Nun betreibe ich keinen Blog der sich mit Boulervardmedien beschäftigt, sonst würde ich mal hinterfragen in wie weit sich Zeitungen besser verkaufen wenn mal wieder vor einer neuen Horrordroge gewarnt wird. Denn Flakka ist nichts neues. Unter den Oberbegiffen “Legal Highs”, “Research Chemicals” oder “neue psychoaktive Substanzen” gibt es seit einigen Jahren ein Drogenproblem was mit Flakka nur mal wieder einen neuen Namen bekommen hat. Nur nochmal zur Einordnung: 

Je nach Darreichungsform werden sie hauptsächlich in Badesalze (wie Flakka) und Kräutermischungen unterteilt. Diese werden vorrangig über das Internet verkauft. Bei den Wirkstoffen handelt es sich um im Labor chemisch nachgebaute Substanzen, welche auch in der Natur bzw. in klassischen Drogen vorkommen. Bei den Kräutermischungen werden häufig synthetische Cannabinoide verwendet. In ihrer natürlichen Form kommen Cannabinoide in der Cannabispflanze vor. Bei den Badesalzen setzt man auf synthetische Cathinone. Cathinon kommt natürlicherweise in den Blättern der Khat-Pflanze (in Deutschland verboten aber ziemlich selten) vor. Synthetische Cathinone sind somit Derivate (Abkömmlinge) der natürlichen Substanz. Eine Reihe synthetischer Cathinone wurde bislang in „Badesalz“-Produkten gefunden, welche genau und wie hoch dosiert ist nicht nur bei Flakka nicht genau bekannt. 

Denn um die Strafverfolgung zu umgehen und ihre Kunden mit immer neuen Produkten zu versorgen wird in den Drogenküchen probiert und zusammen gemischt was das Labor her gibt. Der Konsument hat also keine Ahnung was er nimmt und wie es wirkt. Der aufgedruckte “Szenename” lässt jedenfalls keine Rückschlüsse auf den genauen Inhalt zu, was auch die Strafverfolgung erschwert. Denn verboten werden können nur die konkreten Wirkstoffe, nicht das Pulver “XY”. Und bis ein neuer, erkannter Wirkstoff verboten ist, wurde dieser schon wieder durch einen neueren ersetzt. 

Bis zum Sommer 2014 wurde von den Strafverfolgungsbehörden versucht den Handel mit Badesalzen und Kräutermischungen mit dem Arzneimittelgesetz (AMG) zu bekämpfen. Doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat entschieden, gemäß der EU-Arzneimittelrichtlinie seien “Legal Highs” keine Arzneien und somit nicht als “Verkauf bedenklicher Arzneien” strafbar. Derzeit versucht man den Handel durch das Vorläufige Tabakgesetz (VTabakG) zu stoppen. Ob das Erfolg und auch vor höheren Gerichten bestand hat ist fraglich. Für mich macht erst die schwammige Rechtslage Kräutermischungen und Badesalze wie Flakka zur Horrordroge.

Foto: (Symbolbild) © Yeko Photo Studio

04 Juni 2014

Marihuanaland

Seit fünf Monaten ist im Bundesstaat US-Bundesstaat Colorado der Konsum von Cannabis nun legal. Die "New York Times" zog am Sonntag eine erste Bilanz im Marihuanaland. Demnach kamen seit Januar zwei Menschen wegen ihres Marihuanakonsum ums Leben. Ein Austauschstudent sei nach dem Verzehr von Marihuana-Keksen vom Balkon gesprungen und eine Frau sei von ihrem Mann im Rausch erschossen worden. Außerdem sei ein knappes Dutzend Kinder und Jugendliche nach dem Verzehr von Marihuana-Keksen und -Bonbons im Krankenhaus gelandet. Auf der positiven Seite steht ein Rückgang von Raubdelikten und Gewaltverbrechen um bis zu 4,8 Prozent. Außerdem hat der Staat 12,6 Millionen Dollar Umsatzsteuern einnehmen können. Colorado ist noch der einzige US-Staat, der Marihuana frei (also ohne medizinische Notwendigkeit) verkauft. Doch schon im Sommer zieht der Staat Washington im Nordwesten der USA nach. Auch hier hatten sich die Bürger bei einer Wahl für die Freigabe der Droge ausgesprochen. 

Natürlich sind fünf Monate für eine echte Bilanz viel zu wenig, trotzdem lässt es sich schon erahnen wo der Weg hinführt. Auf jeden Fall ist kein rasanter Anstieg der Rauschgifttoten zu erwarten, denn eine tödliche Überdosierung beim zentralen Wirkstoff THC gibt es nicht. Die Beschaffungskriminalität sinkt und die Steuern sprudeln. Die Umstände der beiden "Marihuanatoten" zeigen aber auch das Problem der neuen Volksdroge auf. Es greift, entgegen den Verlautbarungen der Cannabis Lobby, nicht unerheblich in das biochemische Gleichgewicht des Gehirns ein. Oder einfach gesagt, es macht die Birne weich. Wie bei allen Drogen kommt der eine damit besser, der andere schlechter klar. Mit einer stärkeren Verbreitung die mit der Legalisierung einher geht, werden auch die Problemfälle mehr. Dabei darf man nicht nur auf die Todesfälle schauen. Es wird mehr Süchtige geben, mehr die im Rausch Auto fahren, Maschienen bedienen oder andere Dinge machen, für die man eigentlich einen klaren Kopf bräuchte. Keine "Fahne" wird sie verraten wie beim Alkohol und auch mit dem ausrechnen wann man wieder Nüchtern ist wird es schwierig.

Was mich bei den Aussagen der Cannabis Lobby am meisten Ärgert ist die Aussage über den Jugendschutz. Der soll ja besser werden wenn Marihuana legal ist. Schwachsinn. Auch hier erleichtert die weitere Verbreitung selbstverständlich auch die Zugriffsmöglichkeit für Kinder und Jugendliche. Und natürlich findet man sich als Jugendlicher alt genug das zu tun was den Erwachsenen offenbar viel Freude macht. Sicher ist das Cannabis in Colorado jetzt unter einer gewissen Kontrolle, die Marktgesetze von nachgefragter Qualität und Preis gab es aber auch schon auf dem illegalen Markt.

Eine dritte legale Volksdroge (neben Alkohol und Tabak) wird die Gesellschaft nachhaltig verändern. Ein zurück, also neuerliches Verbot, halte ich für dann nicht mehr durchsetzbar. Ob die Vorteile im Marihuanaland langfristig die Nachteile aufwiegen wird sich erst nach Jahren zeigen. Möglich wäre das in meinen Augen nur wenn es stärker wirkende Drogen wie Methamphetamine, Heroin oder Alkohol nachhaltig verdrängen würde. Allein mir fehlt der Glaube.