23 Juli 2016

Rio 2016

In dieser Woche wurden, nach einem Urteil des internationalen Sportgerichtshof, 68 russische Leichtathleten endgültig von den Olympischen Sommerspielen in Rio ausgeschlossen. Grund dafür systematisches Doping, gefördert und gedeck von Verbands- und Staatsspitze. Eine Untersuchung der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) belegt staatlich gefördertes Doping in 20 (von 28) olympischen Sportarten. Kontrollen wurden mit Unterstützung des russischen Geheimdienst ausgehebelt. 

Bei Spitzensport geht es um viel Geld und Prestige. Der Kampf gegen Betrug, insbesondere gegen Doping ist schwierig. Egal wie viele Betrüger überführt werden, es werden immer wieder Leute versuchen ihre Möglichkeiten mit der Einnahme von Dopingmittel zu verbessern. Um in diesem Kampf eine Chance zu haben, muss Doping staatlich und gesellschaftlich geächtet werden. Ist das, wie in Russland, nicht der Fall, hat sauberer Sport keine Chance. Im aktuellen Fall sieht man deutlich wie, während die Propaganda-Kanonen aufeinander schießen, die Sportler auf der Strecke bleiben. 

Unabhängig wie die Entscheidung zu einem kompletten Ausschluss von Russland von der Olympiade in Rio ausfällt, Doping muss wieder eine geächtet, seltene Ausnahme werden. Sie darf weder geduldet, geschweige denn gedeckt oder gar erwartet werden. Schon die Teilnahme an Olympia sollte mehr Wertschätzung erfahren. Wie sowas aussehen kann haben uns die Fans von Irland und Wales bei der Fußball Europameisterschaft 2016 gezeigt. Ich hoffe in Rio stehen nicht Ideologien und Medaillenspiegel, sondern der Olympische Geist im Vordergrund. Fair, freundschaftlich und Doping frei.

Foto: © lindrik

29 Juni 2016

Hemp Business

Der Milliarden-Dollar-Zug mit dem Namen Cannabis-Legalisierung rollt durch die USA und alle wollen aufspringen. Während die Feigenblätter, wie “nur für den medizinischen Gebrauch”, immer kleiner werden, schaut jeder wie er am Geschäft mit der immer legaler werdenden Sucht verdienen kann. Neben den wie Pilze aus dem Boden schießenden Verkaufsstellen (mal heißen sie“Club”, mal “Apotheke”), gibt es aber auch kreativere Ansetzte um an die *Hemp-Milliarden zu kommen.  

„Power Plan Fitness“ soll ein Sportstudio heißen das ein Amerikaner in San Francisco eröffnen will. Weil er selbst früher beim Gewichte stemmen gekifft hat, findet er das auch für andere eine tolle Idee. Mit dem Slogan „Zuerst Fitness, dann Cannabis“ („fitness first, cannabis second“) soll eine neue Fitness-Bewegung ins Leben gerufen werden. Ein ausgeglichenes Training, dass Körper und Geist regeneriert soll das werden. Mein Slogan wäre ja “nach dem Training ein Joint und der Muskelkater ist dein Freund. Diesen November soll Eröffnung sein. 

Auch große Namen schielen auf die Wachstumsbranche “Hemp-Business”. Der Softwaregigant Microsoft steigt beim kalifornische Unternehmen "Kind Financial" ein Kind verkauft eine Tracking Software für Cannabis an amerikanische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. So können beispielsweise Krankenhäuser den gesamten Weg von der Saat bis zum Verkauf nachverfolgen. Immerhin soll so eine Abgrenzung zum illegalen Markt sichergestellt werden. 

Aktuell soll es in den USA acht Millionen Konsumenten geben, im Jahr 2015 wurden hier 4,4 Milliarden US-Dollar Umsatz mit legalem Cannabis gemacht. Vergangenes Jahr wurden von Investoren 215,2 Millionen US-Dollar in nicht börsennotierte Cannabis-Unternehmen gepumpt. Es lockt der große Reibach. Die Strategieberatung LSP Digital rechnet bis 2029 mit einem Marktvolumen von 100 Milliarden US-Dollar. Davon sollen die Hälfte auf Cannabis-basierte Medikamente, die andere Hälfte auf Marihuana oder Konzentrate wie Haschisch oder Öl entfallen.

*("Hemp" ist das amerikanische Wort für Hanf)

Foto: One dollar banknote and hemp seeds © agephotography

Quellen: Strategieberatung LSP Digital und Bild.de

12 Juni 2016

Onlinesucht wächst

Mit rund 300 Plakaten, 4000 Postern und 20 000 Postkarten sorgte die Stadt Frankfurt/M. im März diesen Jahres für aufsehen. Die Kampagne "Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind" sollte Eltern zum Nachdenken über die Nutzung von Mobilgeräten anregen. Denn immer häufiger beschäftigen sich Eltern beim Kinderwagen Schieben oder beim abholen aus der Kita mit dem Smartphone. Viele junge Eltern sind durch das Smartphone über alles Informiert und mit anderen in Kontakt, aber nicht mit ihrem eigenen Kind. Zudem schauen sich die Kinder die andauernde Online-Situation der Erwachsenen ab, was später dazu führt, dass auch sie ständig online sind. Probleme im Schulalter sind oft die Folge.

In Deutschland wird, selbst unter Jugendlichen, weniger Alkohol konsumiert  und weniger geraucht. Allerdings steigt die Zahl der Menschen, die als onlinesüchtig gelten. Das geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2016 hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Aktuell sind etwa 560.000 Menschen in Deutschland "onlinesüchtig", Jüngere Menschen sind häufiger betroffen: So zeigen in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen etwa 250.000 Personen (2,4 Prozent) Anzeichen einer Abhängigkeit, unter den 14- bis 16-Jährigen sind es sogar 4 Prozent. Tendenz steigend.

Kampangen wie die in Frankfurt werden wir daher noch häufiger sehen. Denn mit Verboten ist dem Problem nicht zu begegnen. Nur das Verstandnis der Nutzer für die Wichtigkeit eines Ausgleich zwischen digitaler und analoger Welt ist der Schlüssel. Eltern muss klar werden, dass ihre Kinder gerade in den ersten Lebensjahren eine erwachsene Bezugsperson brauchen die sehr dicht mit ihnen kommuniziert. Die ihnen erklärt was sie gerade sehen, zuhört, seine Bedürnisse erkennt und vor Gefahren schützt. Alles schwierig wenn die Augen nur auf ein Smartphone gerichtet sind.

Bild: Plakatmotiv des Jugend- und Sozialamtes zum Handy-Gebrauch von Eltern, Ausschnitt, März 2015, © Stadt Frankfurt am Main

Quellen: Presseinformation der Stadt Frankfurt und  Drogen- und Suchtbericht 2016