17 März 2014

Cannabis-Selbstversuch bei RTL

Jenke von Wilmsdorff (48) will es mal wieder wissen, heute 21:15 Uhr kann man ihn auf RTL bei seinem neusten "TV-Experiment" zuschauen. Nachdem er vergangenes Jahr schon einen Alkohol-Dauerrausch vorgestellt hat, darf der geneigte Zuschauer heute Abend seinen Cannabis-Selbstversuch bestaunen. Zu sehen gibt es seinen fünf Tage Aufenthalt in einer zu einem Coffee-Shop gehörende Wohnung im niederländischen Harlem. Dort konsumiert er was der Laden so hergibt und steigert seine tägliche Dosis auf sechs Joints. Weiterhin stehen der Besuch einer Suchtklinik, Gespräche mit Krebspatienten die dank Cannabis weniger leiden müssen, Drogenkontrollen der Polizei sowie Begegnungen mit Kiffern und Cannabis-Produzenten im amerikanischen Bundesstaat Colorado (wo der Erwerb seit kurzem legal ist) im Programmheft.

Im Internet verrät Jenke von Wilmsdorff schon mal: "Von einem intensiven Lach-Flash mal abgesehen, verbrachte ich die Tage, von einem Nebel umhüllt, als stiller Beobachter. Was bestimmt auch der enormen Menge geschuldet war, die ich täglich konsumierte." Ein Cannabis Fan scheint er also schon mal nicht geworden zu sein. "Nur wer es selbst fühlt, versteht andere" ist Wilmsdorffs Credo und weil der RTL-Zuschauer sehr mitfühlend ist, sind auch ordentliche Einschaltquoten zu erwarten. Auch ich werde mir sein neustes "Jenke-Experiment" anschauen, auch wenn ich es kritisch sehe.

Nicht das ich glaube das Herr Wilmsdorff Unwahrheiten verbreitet oder unobjektiv wäre aber hinter dem Format steckt eine gefährliche Botschaft. Eine Botschaft die er auch im Titel seines Buches transportiert. "Wer wagt, gewinnt. Das Leben als Experiment." Die meisten Drogensüchtigen haben angefangen um "es mal auszuprobieren" und genau das propagiert sowohl sein Credo als auch sein Buchtitel. In einem Interview sagt der RTL-Reporter das seine Freundin, seine Familie und seine Produzentin aufpassen das er "nicht übers Ziel hinaus schießt." Doch wer achtet bei seinen Fans darauf?

Foto & Quelle:
http://www.rtl.de/cms/sendungen/das-jenke-experiment.html

06 März 2014

Cannabistote in Deutschland

Vergangene Woche gab es mal wieder eine Diskussion über die Gefährlichkeit von Cannabis. Deutsche Rechtsmediziner hatten den Herztod von zwei jungen Männern auf den Konsum von Cannabis zurückführen können. Nach Erkenntnis der Mediziner hatte die beiden 23- und 28-Jährigen unmittelbar der Cannabis Wirkstoff THC umgebracht. Da bei den jungen Männern aber Vorschädigungen vorlagen, witterte die Cannabislobby populisitische Meinungsmache gegen eine Legalisierung. Doch welche Bedeutung haben die beiden “Cannabistoten” wirklich? 

Natürlich ist es bei der Gefahrenbewertung einer Droge nicht unerheblich für wieviele Tote sie verantwortlich ist, aber das kann und darf eben nur ein Kriterium sein. Parameter wie Suchtgefahr, Gesundheitsgefahr, Jugendschutz und nicht zuletzt Beherrschbarkeit müssen ebenfalls mit berücksichtigt werden. Ein anderes Beispiel: Obwohl die natürliche Kaudroge “Kath” als weniger gefährlich als Cannabis eingestuft wird (siehe: Drogen Ranking), hat sie im Jemen das ganze Land im Griff. Die dortige Volksdroge hat dem Land die weltweit höchste Rate an Mund-, Speiseröhren- und Zungenkrebs beschert und lähmt die Wirtschaft. 20 Millionen Arbeitsstunden pro Tag gehen dem Jemen wegen der Kath-Kauerrei verloren, haben lokale Wissenschaftler errechnet. 

Aber zurück zum Gefahrenpotezial von Cannabis. Wer dieses auf “Kiffen kann tötlich sein” reduziert, bedient sich tatsächlich populistischer Halbwahrheiten. Auch und gerade weil diese Sprüche so schön griffig sind geht von ihnen die Gefahr aus eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema zu vernebeln. Siehe auch: Interviews zur Cannabis-Legalisierung 

Hinter der Dikussion um die beiden “Cannabistoten” fächern sich zahlreiche, fachliche Fragen zum Umgang mit der Droge auf. Die Kernfrage wäre aber was möchte die Gesellschaft? Diese müsste im Grunde auch in Deutschland irgendwann per Referendum geklärt werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, ich erlaube mir heute schon Stellung zu beziehen: Die medizinischen Möglichkeiten der Heilpflanze Cannabis müssen besser genutzt werden, einer dritten, legalen Volksdroge (neben Alkohol und Zigaretten) bedarf es nicht.

Bild: © fergregory - Fotolia.com

23 Februar 2014

Crystal Meth Zahlen und Fakten

Crystal Special im Februar:

Crystal Wirkung und Nebenwirkung 

Nazidroge Pervitin

Uppers vom Vietnamkrieg in die USA 

Crystal Meth Zahlen und Fakten





In einigen Statistiken wird nicht zwischen Amphetaminen und der Untergruppe Methamphetamine (Crystal) unterschieden. Bitte also bei der Betrachtung dieser Datensammlung darauf achten auf welchen Stoff oder Stoffgruppe die Rede ist.  

  • Die Zahl der erfassten Crystal-Erstkonsumenten in Deutschland ist  von 642 im Jahr 2010 auf 2556 im Jahr 2012 gestiegen, ein Anstieg um 198 Prozent.
  • Die erstauffälligen Konsumenten von Amphetaminen und Methamphetamin machen 2012 knapp 2/3 (64,8 %) der insgesamt erfassten erstauffälligen Konsumenten aus.
  • Amphetamine (0,7 %) stellen nach Kokain (0,8 %) und Cannabis (4,5%) die in Deutschland am dritt häufigsten konsumierte illegale Substanz dar.
  • Konsumformen von Amphetaminen in Deutschland: Injektion 1,2 %, Rauchen 12,9 %, Oral 29,1 %, Schnupfen 55,7 %, sonstige 1,1 % .  
  • Im Jahr 2012 starben in Deutschland 7 Menschen durch Crystal Konsum, bei 9 weiteren Todesfällen waren neben Crystal weitere Substanzen
  • Bei den Handels-/Schmuggeldelikten liegen im Jahr 2012 die Amphetamine mit 7.778 Delikten (16,3 %) nach Cannabis auf Platz 2.
  • Im Jahr 2012 wurden bei Amphetamin-/Methamphetamin 230 Prozent mehr Delikte registriert als bei Heroin und Kokain zusammen.
  • Im Vergleich der Jahre 2011 und 2012 stiegen die Beschlagnahmungsmengen von Crystal um 88,3 % auf 75,2 Kilogramm.
  • Von den im Jahr 2012 sichergestellten 24 illegalen Drogenlaboren waren 13 Labore zur Herstellung von Methamphetamin.
  • Im deutschen Kleinhandel sank der Duchschnittspreis für Crystel von 2011 auf 2012 um 4 % von 78,7 auf 75,3 Euro pro Gramm, wobei die Preise im deutsch-tschechischen Grenzgebiet deutlich niedriger sind.
  • Der Reiheitsgrad ist in Europa sehr unteschiedlich, er reicht von unter 15 % in Dänemark und Belgien, bis weit über 60 % in Tschechien, der Slowakei, Großbritannien und der Türkei.
  • 2010 wurden Weltweit 45 Tonnen Methamphetamin sichergestellt, wobei auf Mexiko mit 13 Tonnen eine Rekordmenge entfiel.
  • In Europa wurden 2010 bei rund 7300 Sicherstellungen etwa 600 Kilo Methamphetamin beschlagnahmt.

Quellen:
- Bericht 2013 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EBDD
- Bericht 2012 der Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD)

Foto: © dp@pic - Fotolia.com