18 Februar 2010

Apotheken, Crystal und die BILD


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Da hat sich die BILD hier in Dresden ja wieder mal einen schönen Skandal zusammen gesponnen. Haben doch die bösen Apotheker dem noch viel böseren LKA Sachsen illegal Kundendaten zukommen lassen. Unschuldige Kunden die nur rezeptfreie Hustenpastillen gekauft haben. Der Leser glaubt das wahrscheinlich auch noch. Es sei denn es fällt ihm auf das er ja gar keinen Ausweis vorzeigen muss bzw. gar keine „Kundendaten“ anfallen wenn er in der Apotheke etwas Rezeptfreies kauft.

Fakt ist, Sachsen hat ein Problem mit Crystal. Die Droge ist echt böse. Es handelt sich um ein Methamphetamin mit hohem Abhängigkeitspotenzial. Die Bezeichnung „Designerdroge“ verharmlost das Crystal in ekligen Giftküchen, meist in Tschechien, mit viel Chemie zusammengebraut wird. Ein wichtiger Grundstoff ist hier Ephedrin bzw. Pseudoephedrin. Diese sind unter anderem in rezeptfreien Grippemitteln zu finden. Zur Drogenherstellung muss also einiges dieser Arzneimittel beschafft werden um den Grundstoff für Crystal zu gewinnen.

Synthetische Drogen sind ne Recht komplizierte Angelegenheit und haben viel mit Chemie zu tun. Neben dem Betäubungsmittelgesetz kommen dabei das Grundstoffüberwachungs- und das Arzneimittelgesetz zur Anwendung. Da muss man sich schon gut auskennen um zu erkennen wenn jemand damit etwas Illegales vor hat.

Auch wenn Apotheker heutzutage keinen hippokratischen Eid mehr leisten, sind sie doch der Gesundheit von Menschen verpflichtet. Drogenköche zu beliefern dürfte da so ziemlich das Gegenteil sein. Wenn der Apotheker also einen Verdacht hat, weil eine zwielichtige Gestalt bei ihm größere Mengen einer Arznei kauft. Eine Arznei von der er weiß dass daraus ein hochgefährliche Droge hergestellt werden kann. Klar muss er das dann Polizei oder LKA melden. Die müssen dann ermitteln ob da eine Straftat vorliegt oder nicht. Liebe BILD wie habt ihr Euch denn das sonst vorgestellt?
Also mit der BILD nur den Bio-Mülleimer auslegen und sich sonst nur bei seriösen Medien informieren.

14 Februar 2010

Drogen, Lifestyle und Lady Gaga

Pop-Sternchen Stefanie Joanne Angelina Germanotta besser bekannt als Lady Gaga, enthüllt jetzt in ihrer Autobiografie das sie abhängig von Kokain und LSD-Trips war. Ok das ist jetzt nicht so eine große Überraschung, im Showbusiness sind Drogen weit verbreitet. Für die Karriere ist das all zu oft kein Problem. Kate Moss, Amy Winehouse, Pet Dorothy und Co. sind trotz jeder Menge Drogen-Schlagzeilen noch dick im Geschäft.

Die Assoziation zwischen Prominenten, Ruhm, Erfolg und Drogen ist daher auch stark. Und das bereitet selbst den Fachleuten beim Suchtstoffkontrollrat der Vereinten Nationen (INCB) Sorgen. Denn trotz aller Aufrufe, die Finger von den illegalen Substanzen zu lassen, entsteht der Eindruck, "dass unter Prominenten ein Lebensstil mit Drogen befürwortet wird", kritisiert der INCB schon in seinem Jahresbericht 2007 und forderte ein hartes vorgehen. "Das ist besonders wichtig, wenn es um die Abschreckung von Jugendlichen geht, die häufig sehr anfällig sind für den Promi-Kult und den dazugehörigen Glanz."

Auch in der Autobiografie von Lady Gaga ist zu lesen*: „Ich wollte so sein wie die Künstler, die ich verehrte, so wie Mick Jagger und Andy Warhol. Ich dachte, ich müsste dazu ihren Lifestyle leben. Ich schloss mich in mein Zimmer ein, hörte immer wieder ‚Never Enough‘ von ‚The Cure‘ und nahm Tüten voll Koks. Ich war kein fauler Abhängiger – ich wollte ein Künstler sein.“

Die Gaga bekam dann wohl offensichtlich noch die Kurve und wurde eine erfolgreiche Künstlerin. Viele andere bilden es sich im Drogenrausch nur ein.

*Auszüge aus der Biografie „LADY GAGA - Just Dance: The Biography“ von Helia Phoenix in der britischen Sonntagszeitung „News of the World“. Das Buch erscheint am 18. Februar bei Orion.

Foto: Pressefoto Laydy-Gaga.de

20 Januar 2010

Gift im Heroin

Heroin gehört an sich schon zu den gefährlichsten aller Drogen. Das aus Opium gewonnene Rauschmittel macht sehr schnell (innerhalb 1 bis 2 Wochen) körperlich und geistig abhängig. Neben den schwerwiegenden körperlichen Folgen drohen vor allem Veränderungen der Persönlichkeit und der sozialen Situation. Aus dem hohen Bedarf an Heroin und den damit verbundenen Kosten resultieren häufig Beschaffungskriminalität und Prostitution, was oft innerhalb kurzer Zeit zu körperlichen Verfall und sozialer Isolation führt.


Als wäre Heroin aber nicht schon schlimm genug, berichtet das Robert Koch Institut jetzt von einer noch erheblicheren Gefahr. In Nordrhein-Westfalen (Bereich Aachen) wurde der Fall eines 42-jährigen Mannes bekannt, der am 13.12.2009 an den Folgen von Haut-Milzbrand (Anthrax) verstorben ist. Der Mann hatte sich vermutlich Heroin in die Kniekehle gespritzt. An der Injektionsstelle wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert, der Verdacht „Milzbrand“ wurde am 18.12.2009 mittels Labortest (PCR) bestätigt.


In den letzten Wochen wurden auch aus Schottland wiederholt Fälle von Milzbrand nach intravenösem Heroin gebrauch bekannt. Bislang haben die schottischen Behörden Kenntnis von 14 Fällen, von denen 7 verstarben (Stand 11.1.2010). Auch wenn der Aachener Fall keine direkte Verbindung zu den Fällen in Schottland hat. Es muss damit gerechnet werden dass in Europa noch mehr mit Milzbrand kontaminiertes Heroin im Umlauf ist.


Aber wie kommt das Gift ins Gift? Absichtlich scheint mir unwahrscheinlich. Leute die an Drogen verdienen ist zwar die Gesundheit ihrer Kunden egal. Sie strecken ihr Zeug auch gerne mit allen möglichen Sachen. Damit wollen sie aber eher ihren Gewinn maximieren als die Lebenserwartung der zahlenden Kundschaft verkürzen. Aus terroristischen Gründen kann ich mir auch nicht vorstellen. Zwar ist Opium der Rohstoff für Heroin ein Exportschlager in Afghanistan. Einem Land was sicher für Terrorismus in Frage kommt. Eine illegale Droge noch zu vergiften ist aber sicher nicht geeignet eine breite Öffentlichkeit in Europa einzuschüchtern. Zumal besonders der Hautmilzbrand die harmloseste Form des Milzbrandes ist. Er wird nur durch direkten Hautkontakt übertragen, wird also hierzulande keine Seuche auslösen können.


Ich vermute viel banaler, es liegt einfach an der Hygiene. Milzbrand ist zwar unter dem Namen „Anthrax“ als biologische Waffe bekannt. In erster Linie ist er aber „eine Infektionskrankheit, die meist Paarhufer befällt“ (Wikipedia). In den afghanischen Anbaugebieten für Opium und auch beim späteren Transport gibt es für den Bacillus anthracis“ (so heißt der Milzbranderreger) sicher Gelegenheiten genug vom „Paarhufer“ auf das Heroin zu gelangen.


Info: Robert Koch Institut


Foto: © BigDog - Fotolia.com